Naturkonstrukt
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Zum Verhältnis von Kunst und Natur

Durch meine aktuellen Arbeiten zieht sich ein roter Faden: Es sind Themen aus der Natur. Organische Formen und Strukturen aus Flora und Fauna nehme ich als Ausgangpunkt für meine künstlerische Verarbeitung. Natur ist mir eine wichtige Quelle der Inspiration, die ich erfahren und erforschen kann und die mich zur Ideenfindung anregt. Dabei interessiert mich besonders das Verhältnis von Natur und Kultur bzw. Zivilisation. Ich nehme auch auf kulturgeschichtliche Aspekte Bezug; dies kommt insbesondere bei der Verwendung der alten kulturellen Techniken des Holzschnitts und des Schablonendrucks zum Ausdruck.

Mir geht es nicht darum, Natur realistisch nachzubilden. .

Aber was ist überhaupt die Natur? Ist sie das Gegenteil von Technik und Kultur? Die alten Griechen hatten noch dieses eindeutige Naturbild.

Besonders in heutiger Zeit wird aber deutlich, dass Technik, Kultur und Natur ineinander greifen. Ihre Grenzen verwischen sich. Natur ist durch Kultur beeinflusst. Und natürliche Eigenschaften haben in die Technik Einzug genommen. Denken wir nur an die gentechnischen Möglichkeiten, die durch die Spitzenforschung entwickelt werden oder an die Bionik, in der “Erfindungen der Natur” für technische Innovationen genutzt werden.

Kultur und Natur stehen in Wechselbeziehung zueinander. Der Mensch wurde durch ökologische Bedingungen geprägt und hat seit jeher seine Umwelt gestaltet und geformt.

Pflanzen und andere Naturgeschöpfe sprechen uns positiv an. Wir wurden, wie Eibl-Eibesfeldt feststellt, im Laufe unserer Entwicklungsgeschichte mit diesen "ästhetischen Referenzmustern“ ausgestattet. Wir haben ein Grundbedürfnis, uns mit den Dingen aus der Natur zu umgeben: Sei es bei der Gestaltung unserer Wohnungen mit Topfpflanzen, mit Ornamenten bedruckten Stoffen oder Tapeten; sei es bei der Suche nach Erholung im Garten oder in der freien Landschaft. Wir gehen beispielsweise durch den Wald und erleben ihn als "Natur pur“. Dabei bedenken wir nicht, dass die Landschaft ein Produkt des Menschen ist. So herrschte vor 7000 Jahren vor Christi in Mitteleuropa eine geschlossene Waldgegend vor. Waldränder, wie sie heute vorherrschen, gab es noch nicht. In einem langsamen Prozess, der mit der Rodung der Wälder einherging, wurde die Naturlandschaft zu einer Kulturlandschaft.

Die Natur ist uns also nicht direkt zugänglich; wir können sie gar nicht erfassen! Es sind Projektionen von Gefühlen, Bildern, Vorstellungen von Natur - sie existiert in unserem Kopf! Es sind Natukonstruktionen.

Literatur:
Irenäus Eibl-Eibesfeldt/Christa Sütterlin
"Weltsprache Kunst: Zur Natur- und Kunstgeschichte bildlicher Kommunikation“ Brandstätter Verlag 2008.
Jörg Küster "Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“ C. H. Beck, München 1999.
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