Der Siebdruck
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Beim Siebdruck wird ein Sieb genutzt, das in einen Rahmen gespannt wird. Sein Gewebe besteht aus Seide, Nylon, Polyester, Organdy oder einem anderen gewebeartigen Material. Es gibt unterschiedliche Gewebedichten. Sie bestimmen die Farbdurchlässigkeit. Mit dieser Technik können perfekte monochrome Flächen hergestellt werden. Man kann mit Schablonen arbeiten. Die Bereiche, die nicht gedruckt werden sollen, werden mit einer Papierschablone abgedeckt. Alternativ kann man Leim, Gummi oder Zelluloselack auf das Sieb auftragen und damit die nicht zu bedruckenden Bildbereiche kaschieren. Auch auf fotografischem Wege kann eine Schablone auf dem Sieb angebracht werden. Dazu wird es gleichmäßig mit einer dünnen, lichtempfindlichen Gelantineschicht versehen. Diese Gelantineschicht wird fototechnisch belichtet. Die belichtete Gelantine ist nach diesem Vorgang nicht mehr wasserlöslich, wo hingegen der unbelichtete Teil ausgewaschen werden kann. Danach kann gedruckt werden.

Im Druckvorgang wird die aufgetragene Farbe mit einem Rakel auf der Druckform verteilt und auf den darunter liegenden Bildträger gedrückt.

Das Siebdruckverfahren eignet sich besonders für große Formate und für den farbigen Flächendruck. Man kann mit lasierender oder deckender Farbe arbeiten.

Die Verwendung von Schablonen ist eine uralte Technik. Bereits altsteinzeitlichen Höhlenmaler haben sich ihrer bedient. Bekannt geworden sind die Abdrücke von menschlichen Händen auf den Felsen von Höhlen vor mehr als 9000 Jahren vor Chr. Die Hand wurde auf die Wand gelegt und mit einem Rohr wurden schwarze, rote oder ockerfarbene Farbpigmente um die Umrisse geblasen.

Die alten Ägypter haben Schablonen aus Leder und Papyrus angefertigt, um die Pyramiden zu verzieren. Auch im alten China wurden Schablonen zur Gestaltung von Seide mit buddhistischen Figuren und Ornamenten verwendet.

In Europa diente ab dem Mittelalter die Schablonenkunst dazu, Wände, Möbel, Textilien oder Tapeten zu bemalen. Durch japanische Einflüsse – sie benutzen Holzrahmen, um die Schablonen zu fixieren - wurde das Siebdruckverfahren entwickelt. Der Engländer Samuel Simon nutzte mit Seide bespannte Rahmen und bedruckte damit Stoffe. Er ließ sich dieses Verfahren 1907 patentieren. Kurze Zeit später kam der Rakel auf. So konnte man die Druckfarbe, die früher getupft wurde, gleichmäßiger auf das Sieb auftragen.

Etwa ab der Zeit des ersten Weltkrieges benutze man die Technik zum Bedrucken von Plakaten, Schildern, Wimpeln und Fahnen. Auch experimentierte man mit Fotoschablonen, die 1915 entwickelt wurden.

Mit der Fototechnik konnte das Siebdruckverfahren verstärkt kommerziell zu Werbezwecken eingesetzt werden.
Auch heute werden die unterschiedlichsten Materialien – Gips, Karton, Gummi, Keramik, Stoffe, T-Shirts und vieles andere mehr - mit Hilfe von Sieben bedruckt.

Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigten sich bildende Künstler zunehmend mit dem Siebdruck. Jackson Pollock und Ben Shahn waren hier Vorreiter. Aber auch und gerade Victor Vasarely, Willi Baumeister, Josef Albers haben sich dieses Sujets bedient. Nicht zuletzt wegen der kommerziellen Nutzung wurde dies von Sammlern und Händlern zunächst eher skeptisch betrachtet.

Die Popartbewegung brachte eine Neubewertung der Siebdrucktechnik mit sich. Zu den Künstlern zählen Peter Blake, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Andy Warhol und viele andere.

Man mag den Eindruck haben, dass die Siebdrucktechnik durch die Verwendung der modernen digitalen Möglichkeiten in den Hintergrund gedrängt würde. Die Künstler, die sie nach wie vor verwenden, schätzen die gestalterischen Arbeitsvorgänge, die sie ein sinnliches Prozesserleben erfahren lassen, das eine rein digitale Vorgehensweise nicht bieten kann. Der tiefer gehende Reiz liegt darin, die bildlichen Aussagen nicht direkt auf einen Bildträger aufzutragen, sondern den kreativen Umweg über die oben beschriebene Schablonentechnik zu wählen.